-
Empfohlen AngepinntNeues aus der StuKo – Mündliches M1
Einen wunderbaren Start in das Sommersemester 2026 wünscht euch die StuKo Medizin! Wir hoffen, ihr hattet erholsame Semesterferien und einen reibungslosen Beginn in euer neues Semester. Im vergangenen Semester haben wir uns nicht gemeldet, da sich eine lange Diskussion über das mündliche Physikum (M1) angebahnt hat. Nun folgt zusammenfassend der aktuelle Diskussionsstand in kurzer und langer Version für Interessierte.
Das mündliche M1 war seit dem Sommer 2025 regelmäßig Thema in der StuKo, weil die Durchfallquoten in Dresden seit Jahren auffällig hoch sind, während die Ergebnisse im schriftlichen M1 ungefähr im Bundesdurchschnitt liegen.
In Diskussionen und Umfragen mit Studierenden und Prüfenden wurde deutlich, dass es dafür wahrscheinlich nicht die eine Ursache gibt, sondern ein Zusammenspiel aus Studienorganisation, Vorbereitung, Prüfungsformat, Prüfungsatmosphäre und strukturellen Rahmenbedingungen.
Aus studentischer Sicht wurden vor allem die dichte Prüfungsphase im 4. Semester, die kurze Zeit zwischen schriftlichem und mündlichem M1, unklare Anforderungen, Stress sowie zu wenige Möglichkeiten zum Üben mündlicher Prüfungssituationen als Probleme benannt.
Von Lehrendenseite wurde dagegen besonders auf fehlende kontinuierliche Vorbereitung, geringe Teilnahme an Vorlesungen, nachlassende aktive Mitarbeit in Seminaren und die längere Studiendauer bis zum M1 als mögliche Einflussfaktoren hingewiesen.
Klar ist inzwischen auch, dass sich die Perspektiven von Studierenden und Lehrenden teilweise deutlich unterscheiden, weshalb die Fakultät das Thema inzwischen systematischer mit Umfragen, Gesprächen, Datenauswertungen und Hospitationen aufarbeitet.
Als erste Maßnahmen wurden unter anderem Prüfungsworkshops für Prüfende, weitere Evaluationen sowie Überlegungen zu mehr mündlichen Übungsformaten, klareren Lernzielen und einer besseren curricularen Abstimmung angestoßen.
Eine schnelle Einzellösung gibt es derzeit nicht, aber das Thema ist klar in der Fakultät angekommen – und wer sich genauer für Hintergründe, Diskussionen und den aktuellen Stand interessiert, findet alle Details im folgenden ausführlichen Bericht.
Falls ihr Anregungen, Sorgen, Probleme oder Fragen habt, kommt gerne auf uns persönlich oder über den Briefkasten zu!
—------------------------------------------------------------------------------------------
Lange Version über den aktuellen Stand der M1-Thematik
Das mündliche M1, oft auch als mündliches Physikum bezeichnet, war in den vergangenen Monaten immer wieder Thema in der Studienkommission. Anlass dafür ist, dass die Ergebnisse in Dresden seit längerer Zeit auffällig sind: Schon in den Jahren 2019 und 2020 gab es unterdurchschnittliche Leistungen im mündlichen M1, und auch in den letzten Jahren blieb die Durchfallquote im Vergleich hoch. Besonders deutlich wurde die Entwicklung zuletzt in den Herbstprüfungen 2025. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Beim schriftlichen M1 liegt Dresden seit Jahren ungefähr im Bundesdurchschnitt. Das Problem betrifft also nicht das M1 insgesamt, sondern vor allem den mündlichen Prüfungsteil.
In der StuKo wurde deshalb intensiv darüber gesprochen, woran das liegen könnte. Klar geworden ist vor allem eines: Es gibt nicht die eine Ursache. Vielmehr scheint die hohe Durchfallquote aus mehreren Faktoren zusammenzuhängen – von Studienorganisation und Prüfungsvorbereitung über Prüfungsabläufe bis hin zu strukturellen Rahmenbedingungen.
Ein zentraler Punkt in den Diskussionen waren die Rückmeldungen von Studierenden. In Gesprächen mit Studierenden, die das mündliche M1 im Herbst 2025 nicht bestanden hatten, wurde unter anderem berichtet, dass die Vorbereitungszeit oft als zu kurz empfunden wurde. Kritisiert wurden dabei vor allem die relativ späte Bekanntgabe der Prüfer:innen, der kurze Abstand zwischen schriftlichem und mündlichem M1 sowie die hohe Prüfungsdichte im 4. Semester. Außerdem wurde mehrfach angesprochen, dass es zu wenig Möglichkeiten gebe, mündliche Prüfungssituationen realistisch zu üben. In einer Umfrage unter 107 Studierenden wurden als wichtigste Schwierigkeiten vor allem unklare oder wechselnde Prüfungsanforderungen, psychische Belastung und Stress, als streng oder intransparent empfundene Bewertungen, Prüfungsangst sowie zu wenige Übungsmöglichkeiten im mündlichen Format genannt.
Aus studentischer Sicht wurden daher mehrere Verbesserungen vorgeschlagen: mehr Zeit zwischen Klausuren und Physikum, eine Entzerrung des 4. Semesters, eine frühere Bekanntgabe der Prüfer:innen, mehr gezielte Physikumsvorbereitung in allen drei vorklinischen Fächern, zusätzliche mündliche Übungsformate und Simulationen, transparente Lernzielkataloge für die mündliche Prüfung sowie fairere und einheitlichere Bewertungsmaßstäbe.
Auch die Lehrenden haben sich intensiv mit den möglichen Ursachen beschäftigt. In ihrer Analyse wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass in Dresden – anders als früher – außerhalb der Anatomie kaum noch mündliche Prüfungssituationen in der Vorklinik vorkommen. Gleichzeitig wurde ein deutlicher Rückgang bei der Teilnahme an Vorlesungen, Vorbereitung und aktiver Mitarbeit in Seminaren und Praktika beschrieben. Zusätzlich spielen offenbar auch längere Studiendauern bis zum M1 eine Rolle: Laut den ausgewerteten Daten schneiden Studierende, die das M1 deutlich später ablegen, im mündlichen Teil im Durchschnitt schlechter ab und fallen häufiger durch. Aus Sicht vieler Lehrender liegt ein wesentlicher Faktor deshalb in einer unzureichenden kontinuierlichen Vorbereitung im Studienverlauf – also nicht nur in den Wochen direkt vor dem Physikum.
Dabei wurde in der StuKo aber auch deutlich, dass die Einschätzungen von Studierenden und Lehrenden nicht in allen Punkten übereinstimmen. Während Studierende häufiger die Prüfungsatmosphäre, Intransparenz und fehlende Übungsmöglichkeiten betonen, sehen viele Lehrende die Hauptprobleme eher bei Vorbereitung, Mitarbeit und grundlegenden fachlichen Voraussetzungen. Gerade deshalb war es wichtig, beide Perspektiven systematisch zusammenzutragen.
Ein weiterer wichtiger Punkt war der Austausch mit dem Landesprüfungsamt. Dabei wurde deutlich, dass das LPA keine konkreten Gründe dafür benennen kann, warum sich die Ergebnisse im mündlichen M1 zwischen Dresden und anderen Standorten wie Leipzig unterscheiden. Auch die Möglichkeiten, den Beginn der mündlichen Prüfungen deutlich nach hinten zu verschieben oder Prüfer:innen sehr viel früher bekanntzugeben, sind laut LPA nur begrenzt. Gründe dafür sind unter anderem organisatorische Abläufe, Verfügbarkeiten der Prüfenden und formale Voraussetzungen. Gleichzeitig wurde aber auch klar, dass es bisher keine systematische Auswertung einzelner Prüfendenkonstellationen gibt und dass geprüft werden soll, ob eine solche Analyse technisch, rechtlich und praktisch überhaupt möglich wäre.
Neben der Ursachenanalyse wurde in den Sitzungen auch intensiv über mögliche Verbesserungen gesprochen. Bereits angelaufen ist zum Beispiel ein Prüfungsworkshop für M1-Prüfende, der im Februar 2026 stattgefunden hat und künftig fortgeführt werden soll. Außerdem wird derzeit eine Handreichung für Prüfende erarbeitet, um mehr Orientierung bei fairer, transparenter und strukturierter Prüfungsgestaltung zu geben. Im März 2026 wurden zudem Hospitationen bei mündlichen M1-Prüfungen durchgeführt, an denen auch das Dekanatskollegium beteiligt war.
Auch das Institut für Didaktik und Lehrforschung wurde einbezogen. Dort wurden unter anderem Interviews, Evaluationen und Umfragen vorbereitet, um problematische Faktoren genauer zu identifizieren. Diskutiert wurden außerdem Ideen wie ein anonymer Briefkasten für problematische Prüfungssituationen, Resilienz- und Vorbereitungsangebote für Studierende sowie weitere Maßnahmen zur Qualitätssicherung bei Prüfungen. Ziel ist dabei nicht, vorschnell Schuldige zu suchen, sondern die Situation besser zu verstehen und auf dieser Grundlage sinnvoll zu verbessern.
Für die weitere Arbeit zeichnet sich damit ein recht klares Bild ab: Das mündliche M1 in Dresden ist ein komplexes Thema, das weder allein durch „zu schwere Prüfungen“ noch allein durch „mangelnde Vorbereitung“ erklärt werden kann. Vielmehr braucht es Verbesserungen an mehreren Stellen gleichzeitig. Dazu gehören eine bessere curriculare Abstimmung in der Vorklinik, mehr Möglichkeiten zum Training mündlicher Kompetenzen, transparentere und stärker strukturierte Prüfungen, klarere Lernziele, eine kritischere Betrachtung der Studienorganisation im 4. Semester sowie Unterstützungsangebote für Studierende im Umgang mit Stress und Prüfungsangst.
Für uns ist wichtig: Die Problematik ist in der Fakultät angekommen und wird inzwischen auf verschiedenen Ebenen bearbeitet. Es gibt noch keine einfache oder sofortige Lösung, aber es gibt inzwischen eine deutlich breitere Datengrundlage, konkrete Diskussionspunkte und erste Maßnahmen, die bereits gestartet wurden. Wir werden das Thema deshalb weiter eng begleiten und euch über neue Entwicklungen auf dem Laufenden halten.
Hochgeladen von: Katrin
Neues aus der StuKo – Mündliches M1





